Autor: silkerommel

Übernahme Blumenladen

32 Jahre war der Blumenladen von Brigitte Schulz in Plankstadt eine kleine Institution für alle, die ihr Zuhause mit frischen Blumen schmücken und besondere Ereignisse im Leben mit festlichem Blumenschmuck verschönern wollten. Nach mehr als drei Jahrzehnten in der Selbstständigkeit hatte Frau Schulz den Wunsch, ihr berufliches Engagement zu reduzieren und den ihr sehr ans Herz gewachsenen Laden in jüngere Hände zu übergeben. Das Interesse ihrer bisherigen Mitarbeiterin und ehemaligen Auszubildenden Karolin Kolb, das Geschäft weiterzuführen, kam da wie gerufen.

Um die Übergabe professionell zu gestalten, wandte sich die abgebende Unternehmerin an Constanze Dräger-Maier bei der IHK Region Rhein-Neckar. Insbesondere bei der Kaufpreisermittlung wünschte sich Brigitte Schulz einen kompetenten Partner an ihrer Seite. Ihr war es wichtig, einen für sie gerechten Kaufpreis zu erzielen, der auch die neue Eigentümerin Karoline Kolb nicht überfordern sollte. Mithilfe der IHK-Unterstützung ist dies gelungen.

Ergänzend involvierte die IHK Reinhard Rohr, einen langjährigen Berater bei den Senioren der Wirtschaft, in dieses Projekt, damit auch die Nachfolgerin Karolin Kolb eine professionelle Begleitung in dem Übernahme-/Übergabeprozess hatte. Somit wurde sichergestellt, dass die jeweiligen Interessen der beiden Vertragspartnerinnen durch zwei verschiedene neutrale Institutionen begleitet wurden. Wirtschaftssenior Rohr unterstützte die übernehmende Karolin Kolb hauptsächlich beim Businessplan, der Rentabilitätsberechnung und dabei, den Kreditantrag zu stellen. Rückblickend sind sich alle einig: Die Zusammenarbeit in diesem Quartett verlief erfolgreich, sehr ergebnisorientiert und wertschätzend.

Seit Februar 2023 gehört Floristin Karoline Kolb das Geschäft Kreativ Blumen; an drei Tagen in der Woche unterstützt ihre Vorgängerin Brigitte Schulz weiterhin im Laden und arbeitet als Angestellte mit. „Dank der tollen Zusammenarbeit mit der IHK Rhein-Neckar und den Senioren der Wirtschaft wurden Frau Schulz und ich hervorragend auf die Geschäftsübergabe/-übernahme vorbereitet. Egal, ob wir Finanzierungs- oder Planungsfragen hatten, uns wurde immer schnell geholfen“, fasst die neue Inhaberin des Blumenladens Karolin Kolb zusammen.

Bildunterschrift v. links: Reinhard Rohr, Senioren der Wirtschaft; Brigitte Schulz, Firmenübergeberin; Karolin Kolb, neue Firmeninhaberin; Constanze Dräger-Maier, IHK Region Rhein-Neckar.



Expertentipp: Marktforschung für Existenz-gründer/-innen

Diplom-Ökonom Rainer Dieringer war über 35 Jahre im Marketing und Vertrieb eines internationalen Herstellers von technischen Gebrauchsgütern tätig und hat im Unternehmen die betriebliche Marktforschung verantwortet. Bei den Senioren der Wirtschaft ist er seit 2016 aktiv und leitet die Regionalgruppe Stuttgart.

Herr Dieringer, was genau versteht man unter Marktforschung und welche Ziele können Gründer/-innen hiermit verfolgen?

Die Marktforschung ist ein Prozess, um fundierte Geschäftsentscheidungen zu treffen und erfolgreich am Markt zu agieren. Hierbei handelt es sich um die systematische Sammlung, Analyse und Interpretation von Informationen über Märkte, Kunden, Wettbewerber und die gesamte Geschäftsumgebung. Die Ziele der Marktforschung für Gründer lassen sich in mehrere Punkte unterteilen:

  • Kundenbedürfnisse verstehen
  • Wettbewerb analysieren
  • Marktpotenzial bewerten
  • Risiken minimieren
  • Marketingstrategien entwickeln
  • Entscheidungsfindung unterstützen


Die Marktforschung ist für Gründer/-innen ein unverzichtbares Instrument, um den Markterfolg zu maximieren, Risiken zu minimieren und eine solide Grundlage für geschäftliche Entscheidungen zu schaffen. Durch das Verständnis des Marktes und der Zielgruppe können Gründer ihre Ressourcen effizient einsetzen und langfristig erfolgreiche Unternehmen aufbauen.

Bei welchen Formen der Existenzgründung und Vorhaben ist es sinnvoll Marktforschung zu betreiben?

Marktforschung ist bei Neugründungen, Start-ups, Produkt- oder Dienstleistungsinnovationen, regionalen Expansionen, Branchenwechsel, Online-Geschäftsmodellen und Franchise-Unternehmertum von entscheidender Bedeutung.

Welchen konkreten Informationen und Nutzen kann man als Existenzgründender aus einer Marktforschung möglicherweise ziehen?

Existenzgründer/innen können durch Marktforschung konkrete Informationen gewinnen, die entscheidend für ihren Erfolg sind. Dazu gehören:

  • Kundenbedürfnisse und Präferenzen: Durch Marktforschung können Gründer/-innen die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe besser verstehen und ihre Produkte oder Dienstleistungen darauf ausrichten.
  • Wettbewerbsanalyse: Gründende erhalten Einblicke in die Konkurrenzlandschaft, identifizieren Wettbewerbsvorteile und können ihre Positionierung strategisch gestalten.
  • Marktpotenzial: Die Abschätzung des Marktpotenzials hilft, den potenziellen Erfolg des Unternehmens einzuschätzen und realistische Umsatzziele zu setzen.
  • Risikominimierung: Eine gründliche Marktforschung ermöglicht es Gründern und Gründerinnen Gründern/-innen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zur Risikominimierung zu ergreifen.
  • Marketingstrategien: Die gewonnenen Erkenntnisse dienen als Grundlage für die Entwicklung effektiver Marketingstrategien, um gezielt Kunden anzusprechen und erfolgreich am Markt zu agieren.
  • Entscheidungsfindung: Marktforschung bietet eine datenbasierte Grundlage für fundierte Entscheidungen in Bereichen wie Produktentwicklung, Preisgestaltung und Vertriebskanäle.

Wann ist der „richtige“ Zeitpunkt, um eine Marktforschung durchzuführen? Wie viel Vorbereitungszeit sollte man hierfür einplanen?

Der „richtige“ Zeitpunkt für die Durchführung von Marktforschung bei Existenzgründungen ist im Vorfeld, bevor entscheidende Geschäfts-entscheidungen getroffen werden. Dies umfasst die Phase der Geschäftsideenentwicklung, bevor das Produkt oder die Dienstleistung auf den Markt gebracht wird. Die Vorbereitungszeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Komplexität des Marktes, der Art des Geschäfts und der verfügbaren Ressourcen. In der Regel sollte ausreichend Zeit eingeplant werden, um eine gründliche Analyse durchzuführen, wobei mehrere Wochen bis Monate je nach Umfang der Marktforschung erforderlich sein können. Ein frühzeitiger Beginn ermöglicht eine fundierte Entscheidungsfindung und eine bessere Ausrichtung des Unternehmens auf die Bedürfnisse des Marktes.

Marktforschung zu betreiben, ist das nicht sehr aufwändig, zeit- und kostenintensiv? Welche Tipps haben Sie für Existenzgründer/-innen?

Die Durchführung von Marktforschung kann zwar aufwändig und kostenintensiv erscheinen, jedoch können Existenzgründende diesen Prozess effizient gestalten, wenn Sie folgende Tipps berücksichtigen:

  • Tipp 1, zielgerichtetes Planen: Definieren Sie klare Ziele und Fragestellungen für die Marktforschung, um den Fokus zu bewahren und Ressourcen effizient einzusetzen.
  • Tipp 2, nutzen vorhandener Daten: Nutzen Sie bereits vorhandene Datenquellen, wie öffentlich verfügbare Statistiken oder branchenspezifische Berichte.
  • Tipp 3, nutzen von Online-Ressourcen: Machen Sie sich kostenlose oder kostengünstige Online-Tools und Plattformen (z.B. SurveyMonkey für die Erstellung von Umfragen und zum Sammeln von Feedback oder Google Analytics, zur Analyse von Website-Traffic und demografischen Daten der Besucher) zunutze, um Umfragen, Analysen und Wettbewerbsrecherchen.
  • Tipp 4, schrittweises Vorgehen: Teilen Sie die Marktforschung in kleinere Schritte auf, um die Komplexität zu reduzieren und den Zeitaufwand besser zu managen.
  • Tipp 5, selbst durchführen vs. externe Dienstleister: In einigen Fällen macht es Sinn, dass Sie als Gründer/-in selbst erste Recherchen durchführen, bevor Sie externe Dienstleister für spezifische, tiefgreifendere Analysen hinzuziehen.

Welche Heran- u. Vorgehensweise empfehlen Sie angehenden Unternehmerinnen und Unternehmern, wenn diese Marktforschung für Ihre Produkte u. Dienstleistungen betreiben möchten?

Für angehende Unternehmer/-innen empfiehlt sich folgende Herangehensweise:

  • Klare Zielsetzungen: Definieren Sie klare Ziel für die Marktforschung, um den Fokus zu behalten und gezielt relevante Informationen zu sammeln.
  • Zielgruppenidentifikation: Bestimmen Sie genau, wer Ihre Zielgruppe ist, und konzentrieren Sie sich auf die Erfassung von Daten, die für diese Gruppe relevant sind.
  • Sekundäre Datenquellen nutzen: Starten Sie mit vorhandenen Datenquellen, wie Branchenberichten, Statistiken und Studien, um eine Grundlage für Ihre Forschung zu schaffen.
  • Primäre Marktforschung: Ergänzen Sie sekundäre Daten durch primäre Marktforschung; dazu gehören Umfragen, Interviews oder Fokusgruppen, um spezifische Einblicke und Feedback zu erhalten.
  • Budgetierung: Setzen Sie ein realistisches Budget für die Marktforschung fest, um sicherzustellen, dass Ressourcen effizient genutzt werden.
  • Agile Anpassungen: Bleiben Sie flexibel und passen Sie Ihre Forschungsstrategie an, wenn neue Erkenntnisse auftreten oder sich die Marktsituation ändert.
  • Kundenfeedback einbeziehen: Binden Sie Kundenrückmeldungen aktiv in Ihre Marktforschung ein, sei es durch Testphasen, Prototypen oder direkte Interaktion mit potenziellen Nutzern.

Inwiefern ist Marktforschung auch für existierende Unternehmen mit einem etablierten Produkt- und Dienstleistungsportfolio relevant?

Auch für existierende Unternehmen mit einem etablierten Produkt- und Dienstleistungsportfolio bleibt Marktforschung von Bedeutung. Sie dient dazu Kundenzufriedenheit zu steigern, Wettbewerbspositionen zu stärken, innovative Produkte zu entwickeln, effektives Marketing zu betreiben und sich an sich wandelnde Marktbedingungen anzupassen.

Gibt es finanzielle Fördermittel, die Gründer/-innen, Unternehmer/-innen in Anspruch nehmen können, um eine Marktforschung durchzuführen?

Es gibt verschiedene finanzielle Fördermittel für diesen Zweck. Diese Fördermittel werden von staatlichen Stellen, privaten Organisationen oder auch regionalen Wirtschaftsförderungen bereitgestellt. Oftmals werden sie im Rahmen von Existenzgründungs- oder Innovationsprogrammen (z.B. EXIST-Gründerstipendium oder KfW-Gründerkredit) angeboten. Zu den möglichen Fördermitteln zählen Zuschüsse, Darlehen oder Beratungsdienstleistungen.

Wie können die Wirtschaftssenioren Existenzgründungsinteressierte beim Thema Marktforschung unterstützen?

Angehende Gründer/-innen können bei ihrer Marktforschung von der langjährigen Erfahrung und den Fachkenntnissen der Wirtschaftssenioren profitieren. Dies kann durch Beratung bei der Auswahl geeigneter Marktforschungsmethoden, Analyse von Wettbewerbsumfeldern und Zielgruppen sowie Unterstützung bei der Interpretation von Marktdaten geschehen. Zudem können sie dabei helfen, kritische Fragen zu identifizieren, Potenziale aufzuzeigen und eine realistische Einschätzung der Marktsituation vermitteln. Durch diese Mentoring-Rolle tragen die Wirtschaftssenioren dazu bei, dass Existenzgründer/-innen besser informiert Entscheidungen treffen können.

Welche konkreten Erfahrungen haben Sie in Ihren Projekten bei den Wirtschaftssenioren bereits mit der Marktforschung gesammelt?

Bei der Beratung eines Startups, das ein völlig neuartiges Produkt entwickelt hat, habe ich eine Gruppendiskussion innerhalb der Zielgruppe durchgeführt. Zusammen mit den Auftraggebern haben wir hierfür einen detaillierten Gesprächsleitfaden erstellt. Anschließend haben wir fünf beliebige Personen aus der Zielgruppe zu dieser Gesprächsrunde eingeladen. Die Teilnehmer/-innen wussten nicht genau, worum es geht. Das Gespräch fand an einem neutralen Ort statt und wurde von mir geleitet.

Wir haben allgemein über das Thema gesprochen und abgefragt, wie die Teilnehmenden zu dem Thema stehen, was sie darüber wissen und wie sie zu ihren Informationen gekommen sind. Danach haben wir das neuartige Gerät, das vom Startup entwickelt wurde, gezeigt und rein optisch begutachten lassen. Im nächsten Schritt wurde die Innovation in Funktion gezeigt und detailliert erläutert. Fragen wurden beantwortet, Vor- und Nachteile des Produkts sowie Weiterentwicklungsmöglichkeiten besprochen.

Abschließend wurde die Akzeptanz, eine Abschätzung des voraussichtlichen Markterfolgs sowie denkbare Vertriebsstrategien und die erwartete Preispositionierung abgefragt. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren sehr ähnlich, somit konnten wir auf weitere Gesprächsrunden mit anderen Teilnehmern verzichten. Diese für uns wesentlichen Ergebnissen waren maßgebend für die Entwicklung des Vermarktungskonzeptes.
Die Gruppendiskussion dauerte knapp zwei Stunden, die Teilnehmenden haben begeistert mitgemacht und jeder erhielt als kleine Anerkennung 100 Euro.


Ein zweites, völlig anderes Marktforschungsprojekt habe ich bei der Wirtschaftsförderung einer Stadtverwaltung durchgeführt. Gewünscht war eine Umfrage bei den örtlichen Unternehmen. Mit den Befragungsergebnissen wollte die Wirtschaftsförderung ihre künftigen Angebote noch besser auf die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden abstimmen; außerdem die Belange der Unternehmen mit den Themen der Stadtentwicklung enger verknüpfen.
Gemeinsam mit dem Klienten wurde ein Fragebogen entwickelt, der z.B. Angaben zum Unternehmen, zur künftigen Entwicklung und zum künftigen Flächenbedarf des jeweiligen Gewerbebetriebes enthielt.

Weitere Fragen bezogen sich auf die Beurteilung des Standorts, auch die Attraktivität der Aktivitäten der Wirtschaftsförderung wurden abgefragt.

Für diese Umfrage habe ich den Online-Fragebogen über das Umfragetool SurveyMonkey generiert. Der Versand des Umfragelinks erfolgte über die Wirtschaftsförderung, die Wirtschaftssenioren wurden als neutraler führender Verein für die Befragung und ich als Ansprechpartner genannt. Insgesamt haben über 80 % der kontaktierten Unternehmen an der fünf-minütigen Online-Befragung teilgenommen.



Bei Auswertung der Ergebnisse zeigte sich z.B. ein hoher Grundstücksflächenbedarf, denn viele der Unternehmen wollen weiter expandieren. Es konnte der gewünschte Flächenbedarf in Quadratmetern pro Stadtteil aufgezeigt werden. Dieser war Grundlage für eine Gewerbeflächenbedarfsplanung, die umgesetzt wurde. Die Studie hatte zudem laut Wirtschaftsförderung eine „katalysatorische Wirkung“, indem sie die Reaktionsgeschwindigkeit in der Stadtverwaltung deutlich erhöht hat.
Geplant ist jetzt eine Wiederholung der Umfrage durch die Senioren der Wirtschaft, wobei der Fachkräftebedarf im Vordergrund stehen soll.

Existenzgründung Kfz-Werkstatt

2015 kam der aus Paraguay stammende, ausgebildete Kfz-Mechaniker Ricardo Barg nach Deutschland. Das ist gerade einmal acht Jahre her und seit Oktober 2023 ist er stolzer Inhaber einer Kfz-Werkstatt in Wannweil bei Reutlingen. Umfangreiche Erfahrung sammelte er in den ersten Jahren als Mitarbeiter in verschiedenen Werkstätten im Raum Reutlingen. Nebenbei bildete er sich erfolgreich bei der Handwerkskammer zum Kfz-Mechatroniker und zum Kfz-Meister weiter. Während der Fortbildung konzentrierte und fokussierte er sich auf die E-Mobilität.

Sein lang gehegter Wunsch in die berufliche Selbstständigkeit zu gehen, wurde konkreter und seine Frau wurde zur großen Unterstützerin seines Existenzgründungsvorhabens. Sein lang gehegter Wunsch in die berufliche Selbstständigkeit zu gehen, wurde konkreter und seine Frau wurde zur großen Unterstützerin seines Existenzgründungsvorhabens.

Über seine Steuerberaterin fand der junge Existenzgründer zu Peter Rall, einem langjährigen Berater der Senioren der Wirtschaft. Unterstützung benötigte er beim Verfeinern seines Businessplans und beim Erstellen eines bankfähigen Finanzplans. Die Zeitinvestition für die Beratungen mit Wirtschaftssenior Peter Rall aus Reutlingen war sehr überschaubar: Nach rund acht Stunden, nur einem gemeinsamen Beratungstermin, einigen Telefonaten und E-Mails waren die erforderlichen Unterlagen für die Bankgespräche optimal vorbereitet.

Dann ging alles rasend schnell: Ende Juli 23 fand das Kreditantragsgespräch bei der favorisierten, sowohl dem Gründer als auch dem Berater bekannten Bank statt. Bereits nach vier Wochen lagen die Finanzierungszusagen der Hausbank, der Bürgschaftsbank und der L-Bank, für einen vom Land BW geförderten L80-Gründerkredit, vor. Die ersten Investitionen fanden umgehend statt.

Im Oktober 23 rollten die ersten Fahrzeuge in die Kfz-Werkstatt von Ricardo Barg. „Ohne die Hilfe bei der Bearbeitung des Businessplanes und der Erstellung des Finanzplanes durch Herrn Rall, wäre ich nicht so schnell mit meiner Existenzgründung vorangekommen“, fasst der neue Unternehmer seine Erfahrungen mit den Wirtschaftssenioren zusammen!
Auch der erfahrene Wirtschaftssenior Peter Rall ist rückblickend sehr erfreut: „Eine so schnelle Realisierung einer Gründungsidee ist wirklich selten. Hilfreich dafür waren die gute Ausbildung, die zukunftsgerichtete Geschäftsausrichtung sowie die Beachtung der Nachhaltigkeit in Bezug auf das Reparieren auch von älteren Fahrzeugen. Das unternehmerisch-sichere Auftreten von Herrn Barg waren ebenfalls förderlich.

Ricardo Barg ist glücklich, seine Werkstatt läuft bereits gut – seine qualifizierte Ausbildung war Grundvoraussetzung. Jetzt profitiert er insbesondere von seinen Kontakten zu verschiedenen Kfz-Werkstätten, in denen er in der Vergangenheit bereits als Mitarbeiter tätig war. Das trägt dazu bei, dass er zahlreiche Aufträge auch von anderen Kfz-Werkstätten übernimmt, die z. B. überlastet sind. Somit können alle Beteiligten vom umfangreichen Know-how und der Flexibilität des Kfz-Mechatroniker profitieren.

Weitere Infos über die Werkstatt von Ricardo Barg.



Expertentipp: Nachhaltigkeit als Verpflichtung und Chance bei der Existenzgründung

Expertentipp: Nachhaltigkeit als Verpflichtung und Chance bei der Existenzgründung

Seit rund 15 Jahren engagiert sich Dr. Jürgen Erlewein bei den Senioren der Wirtschaft in der Region Stuttgart. Er greift hier gerne auf die gesammelten Erfahrungen als Wissenschaftler, Entwickler, Fertigungsleiter und der strategischen weltweiten Standortkoordination bei einem großen Stuttgarter Autozulieferer zurück. Insbesondere bei der letzten Station wurde ihm die Bedeutung von Ressourcen, weltweiter Verflechtungen und den sich daraus ergebenden Auswirkungen bewusst.

Er leitet den SdW-internen Arbeitskreis zum Thema Nachhaltigkeit und es ist ihm ein großes Anliegen, Nachhaltigkeit bei den Wirtschaftssenioren zu verankern und voranzutreiben.

Herr Erlewein, welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei den Senioren der Wirtschaft?

Für uns gibt es zahlreiche Gründe, uns mit der Nachhaltigkeit zu beschäftigen: Seit einigen Jahren findet Nachhaltigkeit durch die öffentliche Diskussion über den Klimawandel starke Beachtung. Gründungen, deren Geschäftszweck durch die Nachhaltigkeit geprägt ist, werden gerne als Leuchtturmprojekte für eine bessere Welt angeführt. Durch gesetzliche Vorgaben bei den Lieferketten sind immer mehr Firmen verpflichtet eine Ökobilanz vorzuzeigen. Allein dadurch müssen wir uns mit Nachhaltigkeit beschäftigen.

Außerdem wollen wir bei Gründern und Gründerinnen sowie beratenen Unternehmern die Nachhaltigkeit in Geschäftsprozesse verankern.

Wie macht sich Nachhaltigkeit in den Beratungen für Existenzgründende und Start-ups bemerkbar?

Es gibt heute Existenzgründende und Start-ups, die Nachhaltigkeit schon im Gedankengut mitbringen. Hier braucht es nur die aus bisherigen Beratungen bekannte kritische Überprüfung der Geschäftsidee. Bei den Anderen müssen wir erst einmal den Nachhaltigkeitsgedanken wecken und in den Geschäftszweck einführen. Dabei sollten die Gründer aber nicht überfordert werden. Es ist uns jedoch sehr wichtig, dass nachhaltige Elemente im Geschäftsplan verankert werden, zum Beispiel bei der Beachtung von Energieeffizienz im Büro, der Heizung oder dem Einsatz von erneuerbaren Energien.

Nicht jede Gründung kann die Herstellung von grüner Energie zum Ziel haben. Wie sind Ihre Erfahrungen, haben Existenzgründende das Thema Nachhaltigkeit bei Ihren „klassischen“ Gründungsvorhaben auf dem Radar?

Es wäre zu einfach sich nur auf Grüne Energie zu beschränken, wenn das Ziel eine lebenswerte Welt ist. Daher benötigt die Mehrzahl der Gründungsinteressierten Unterstützung, wie man vorgehen kann. Denn Nachhaltigkeit erfordert neben der rein ökonomischen Komponente „wie stelle ich mein Geschäft auf“, auch die Beachtung von ökologischen Aspekten, „wie handle ich“ und sozialen „wie gehe ich mit meiner Umgebung um.“

Wie kann man sich als Existenzgründender oder Start-up von Beginn an nachhaltig aufstellen?

Am leichtesten tun sich von der Nachhaltigkeitsidee geleitete Existenzgründende oder Start-up. Diese brauchen dazu nur einen Sparringspartner. Andere können sich eingeschränkt auch schon mit ein paar wenigen Themen nachhaltiger aufstellen; zum Beispiel durch das papierlose Büro oder der Nutzung von Digitalisierung. Hilfe bei der Umsetzung gibt es durch Leitlinien und Fragebögen, zum Beispiel bei der Gründerplattform des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz und in angepasster Form auch bei den Senioren der Wirtschaft.

Können Sie einige konkrete Beispiele nennen, was bei einer nachhaltigen Unternehmensgründung berücksichtigt werden kann?

Zum Beispiel der Umgang mit Mitarbeitenden ganz entscheidend. Diese sind Multiplikatoren. Auch im Marketing ist Nachhaltigkeit ein wirklich erzieherisches Element. Natürlich gehört neben Energieeffizienz auch ein Mobilitätskonzept zur „Grundausstattung“. Wann immer möglich sollten regionale Lieferanten, die demselben Grundsatz folgen, zum Zuge kommen. Auch bei der Auswahl der Geschäftsbank sollte dies eine Rolle spielen und bei vielem, vielem mehr.

Welche Auswirkungen hat eine nachhaltige Unternehmensgründung u. -führung, mit Blick auf die Finanzen? Ist eine nachhaltige Existenzgründung automatisch teurer?

Sind mit „Finanzen“ der Gewinn gemeint, dann gibt es per se keine Auswirkung; längerfristig erwarte ich sogar eine höhere Rendite. Wenn „Finanzen“ die Kreditaufnahme meint, dann werden zukünftig auch kleinere Unternehmen Kredite leichter erhalten, wenn sie nachweislich nachhaltig aufgestellt sind. Heute werden schon bei etablierten großen Unternehmen strenge Maßstäbe bei der Kreditvergabe angelegt und teilweise erhalten nachhaltig aufgestellte Unternehmen bessere Konditionen.

Gibt es auch bei der Übernahme eines bestehenden Unternehmens die Chance, sich nachhaltig aufzustellen? Wie sollte der Übernehmende dies angehen?

Gerade die Übernahme eines Unternehmens bietet die einmalige Chance, nachhaltige Grundsätze einzuführen. Dabei sind die allbekannten Schwierigkeiten bei Veränderung zu beachten! Erfolgreich ist nur, wer die alles entscheidende Einbindung der Mitarbeiter meistert. Auch gilt weiterhin die Regel, dass der neue Chef, die neue Chefin mit gutem Beispiel vorausgehen muss.

Welchen Mehrwert haben Existenzgründende, Start-ups und etablierte Unternehmen davon, wenn sie nachhaltig wirtschaften?

Außer dem gesellschaftlichen Nutzen glaube ich, dass der Mehrwert zum Beispiel in den geänderten Abläufen, der größeren Reputation im Markt und vor allen Dingen im Vorsprung vor den nicht nachhaltig wirtschaftenden Wettbewerbern liegt. Diese werden, meiner Einschätzung nach, von Regierungen, Geschäftspartnern und Kunden über kurz oder lang dazu gezwungen, unternehmerisch nachhaltig zu handeln. Und dann muss alles schnell gehen, mit allen den schon genannten Schwierigkeiten.

Welches ist für potenzielle Existenzgründende der richtige Zeitpunkt, um sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen?

Da gibt es eine ganz klare Empfehlung: Schon mit den ersten Ideen bei der Gründung anfangen. Wir empfehlen zum Beispiel das Thema gleich im Business Model Canvas zu integrieren. Wir haben dazu Checklisten entwickelt, die dabei unterstützen.

Was empfehlen Sie Existenzgründenden, die sich sehr frühzeitig mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Gründung beschäftigen wollen?

Sie sollten die Hinweise auf der Gründerplattform vom BMWK (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) beachten und schon früh die Beratung suchen. In den Anfängen ist es immer schwierig, den Überblick zu behalten!

Welchen Ausblick gibt es bei den Senioren der Wirtschaft zum Thema Nachhaltigkeit?

Die Themen um die Nachhaltigkeit werden zukünftig stärker von den ESG-Kriterien (Environment/ Corporate Social Responsibility/ Corporate Governance) und Rahmenbedingungen für die Berücksichtigung von Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Sozialfragen innerhalb von Unternehmensführungen getrieben. Ein Beispiel ist das für größere Unternehmen schon bald wirkende Lieferkettengesetz. Wir werden deshalb viel dazulernen müssen, um unsere Beratungen auch weiterhin erfolgreich zu gestalten.

Unser neuer Vorstand Thomas Striebel im Gespräch

Unser neuer Vorstand Thomas Striebel im Gespräch

Herr Striebel, wie war Ihr Weg zu den Wirtschaftssenioren?
Der Weg war ziemlich kurz. Meine beiden Vorstandskollegen Erwin Tilemann und Wolfgang Vogt waren in ihrer Berufstätigkeit auch bei der IBM tätig. Mit Erwin Tilemann habe ich vor 15 Jahren zusammengearbeitet und wir waren weiter in Kontakt. Ich hatte schon lange die Idee, dass ich aus dem aktiven Berufsleben nicht erst mit 66 Jahren aussteigen wollte und habe das auch entsprechend kommuniziert. Gerne wollte ich mich jedoch weiterhin mit meiner beruflichen Erfahrung auf gemeinnütziger Basis engagieren. Erwin Tilemann wusste davon und hat mich bei einem gemeinsamen Frühstück überzeugt, dass die Senioren der Wirtschaft genau das richtige für mich sind. Seit 2022 bin ich nun Vereinsmitglied.

Wie sind Ihre ersten Eindrücke im Verein?
Die Senioren der Wirtschaft sind sehr breit aufgestellt, sowohl in den Netzwerken als auch den vielfältigen Projekten. Ich möchte in die Beratungsarbeit bei den Wirtschaftssenioren sowohl meine Erfahrung einfließen lassen und mich auch mit neuen Themen beschäftigen, mit denen ich bisher keine Berührung hatte. Das funktioniert sehr gut! Außerdem arbeite ich mit sehr vielen positiven Ansprechpartnern zusammen, mit denen ich gemeinsam etwas verwirklichen kann, das ist mir ebenfalls wichtig. Bei den Senioren der Wirtschaft geht man nicht als Einzelkämpfer in eine Beratung. Man kann sich bei speziell benötigten Branchenkenntnissen oder Fachfragen, einen entsprechenden Experten aus dem großen Team hinzuziehen, das gefällt mir gut.

Welche Erfahrungen aus der beruflichen Vergangenheit fließen in Ihre Beratungen ein?
Ich war rund 35 Jahre in internationalen Unternehmen zum Thema Geschäftsentwicklung und Vertrieb aktiv. Im Schwerpunkt beschäftigte ich mich mit Business Modellen, Vertrieb und Marketing. Zum Abschluss meiner beruflichen Laufbahn war ich noch vier Jahre bei einem großen deutschen Mittelständler tätig, da ich gerne auch dieses Umfeld noch kennenlernen wollte. Sehr viele Erfahrungen aus diesem großen bzw. mittelständischen unternehmerischen Umfeld fließen in meine Projekte bei den Senioren der Wirtschaft ein. Fragestellungen wie die Entwicklung von Businessplänen, Optimierung von Geschäftsmodellen etc. sind bei kleinen Unternehmen genauso wichtig wie bei großen und müssen genauso strukturiert angegangen werden.

Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit Ihren Klientinnen und Klienten wichtig?
Aus der Zusammenarbeit in den internationalen Projekten bin ich es gewohnt, mich schnell auf neue Gegebenheiten einzustellen. Im persönlichen Erstgespräch finde ich heraus, ob die gegenseitige Erwartungshaltung zusammenpasst. Mir ist es wichtig zu verstehen, was mein Gegenüber benötigt, um sein Geschäftsziel zu erreichen. Darüber hinaus möchte ich einen persönlichen Kontakt zu meinen Klientinnen und Klienten herstellen und mich sowohl mit dem Unternehmenszweck als auch den unternehmerischen Zielen identifizieren.

Was bringt Ihr Herz als ehrenamtlichen Berater zum Hüpfen?
Kurzfristig ist es das positive Feedback, das man von den Mandantinnen und Mandaten bekommt. Erst kürzlich erhielt ich eine E-Mail, in der sich mein Klient für die Unterstützung bedankte und den Wert einer externen Unterstützung hervorhob. Meine Bestätigung bekomme ich über den Nutzen, den ich stifte. Es freut mich, wenn wir gemeinsam die Ziele erreichen, die wir uns für die Zusammenarbeit vorgenommen haben.

Was wünschen Sie sich für die Senioren der Wirtschaft?
Alle unsere Mitglieder haben eine große Motivation zur Mitarbeit und ich wünsche mir, dass wir es weiterhin gut hinbekommen uns auf neue Themen einzustellen und die sich verändernden Marktanforderungen zu reflektieren. Wir weiterhin als kompetenter, sich weiterentwickelnder Partner wahrgenommen werden – wir mit unserem großen Know-how und Erfahrungsschatz für Existenzgründende, wachsende Unternehmen, Unternehmensübergebende und -übernehmende interessant bleiben. Ich hoffe auch, dass es uns gelingt, mehr Frauen im Ruhestand aus ehemaligen Fach- und Führungspostionen, als Beraterinnen für unseren Verein zu gewinnen!

Gibt es weitere Aktivitäten und Aufgaben, die Sie im Unruhestand begeistern?
Ja, die gibt es, denn ich möchte neben meiner Beratungstätigkeit bei den Senioren der Wirtschaft noch Zeit für anderes haben. Außerhalb der Familie möchte ich meine Hobbys Reisen, Segeln und Kochen aktiv betreiben. Außerdem engagiere ich mich als Vorstand in einem gemeinnützigen studentischen Förderverein.

Unser Büro ist umgezogen

Umzug nach Gärtringen

Unsere neuen Büro- und Besprechungsräume sind ab sofort in der Hauptstraße 15, in 71116 Gärtringen. Auch die Telefonnummer hat sich geändert und lautet: 07034 – 95 49 890

Übernahme Kletterzentrum Reutlingen

Vom Hörsaal in die Selbstständigkeit, so startete die Diplom-Erziehungs-Wissenschaftlerin Judith Günther in ihr Berufsleben. 2012 gründete sie unmittelbar nach dem erfolgreichen Studium das Unternehmen barefoot, Training & Seminare in Tübingen. Barefoot ist Partner für Team-Events, Erlebnispädagogik, pädagogische Weiterbildungen und Seminare.

Eine wichtige Zusammenarbeit entwickelte sich mit dem DAV-Kletterzentrum in Reutlingen, das insgesamt über 2100 Quadratmeter Wandfläche im Außen- und Innenbereich verfügt. Als der DAV 2022 auf der Suche nach einer Unternehmernachfolge für sein Kletterzentrum war, lag der Gedanke an Judith Günter auf der Hand. „Als mir die Übernahme angeboten wurde, musste ich nicht lange überlegen. Ich selbst bin begeisterte Kletterin und habe während des Studiums das Klettern erlernt“, erklärt sie. Die Ausstattung mit einer 17 m hohen Kletterwand und der 15 m hohen Außenkletterwand bietet in der Region Reutlingen eine Alleinstellung, diese beflügelte sie in ihrer Entscheidung zusätzlich.


Seit Januar 2023 betreibt sie das Reutlinger Kletterzentrum und hat erneut erfolgreich mit diesem zweiten Standbein gegründet. Das Zentrum ist Klettertreffpunkt für Kletterpassionierte aller Leistungsniveaus und bietet vielfältige Trainingsmöglichkeiten. Für Neugierige gibt es Schnupperkurse, um das Klettern kennenzulernen, darüber hinaus gibt es Kurse für Kinder und Frauen. „Ich bin dabei, weitere Angebote zu erarbeiten, um das Angebot des Kletterzentrums noch vielfältiger zu gestalten. Hierbei hilft mir meine Expertise vom Unternehmen barefoot sehr“, beschreibt die Unternehmerin ihre Pläne.

Glücklich ist Judith Günther über die Empfehlung einer Tübinger Unternehmerin, die ihr den Tipp gab, sich bei der Unternehmensübernahme von den Senioren der Wirtschaft begleiten zu lassen. Unterstützt wurde sie vom Reutlinger Wirtschaftssenior Peter Rall, der die betriebswirtschaftliche Beratung übernahm. Rall legte in der Beratung den Fokus auf die Einnahmen- und Kostenanalyse und überprüfte die laufende Wirtschaftlichkeit des Unternehmens vor dem Vertragsabschluss. „Die langfristige Rentabilität ist entscheidend und mit der Transparenz z.B. über die verschiedenen Kostenpositionen konnte Frau Günter mit guten Argumenten in die Verhandlung gehen!“


Judith Günters Dank an ihren Berater bringt Peter Rall zum Strahlen: „Es war mir eine unglaublich große Hilfe vor Antritt meiner neuen Position als Betreiberin des DAV-Kletterzentrums die finanziellen Aspekte mit ‚meinem‘ Wirtschaftssenior durchzugehen. So viele Jahre der Erfahrung haben mich hier beraten und mir einen bestmöglichen Start ermöglicht! Ein herzliches Dankeschön an Herrn Rall!“

Weitere Infos über das Kletterzentrum Reutlingen und barefoot



Übergabe: ZPS Präzisionsschleiferei Zauner

Nach mehr als 20 Jahren an der Spitze der ZPS Präzisionsschleiferei Zauner wollte Johann Zauner sein 1999 im Nebenerwerb gegründetes, in Ostfildern-Nellingen ansässiges Unternehmen in jüngere Hände übergeben. Johann Zauner hat sich mit seinem Betrieb mit den Jahren zum Spezialisten für Spitzenlosschleifen sowie für Außen- und Innenrundschleifen entwickelt.
Besonders wichtig war es ihm, dass sein Lebenswerk nach der Unternehmensübergabe in seinem Interesse weitergeführt und der langjährige, renommierte Kundenstamm weiterhin so gut bedient wird wie bisher.

Unterstützung für die Firmenübergabe holte sich Johann Zauner bei Wirtschaftssenior Rainer Dieringer. Auf die Senioren der Wirtschaft wurde der Unternehmer durch einen Hinweis aus seinem Netzwerk aufmerksam. Der seit 2016 aktive Berater war für Johann Zauner der optimale Sparringspartner, da er kurz zuvor bei der Übergabe einer anderen CNC-Dreherei mitgewirkt hatte. Über die landesweite Nexxt-Change Nachfolge-Datenbank konnte Wirtschaftssenior Dieringer zahlreiche Interesssenten gewinnen. Nach einer Vorauswahl haben 18 potenzielle Firmenübernehmer die Schleiferei besucht und mit dem Inhaber und Herrn Dieringer intensive Gespräche geführt.


„Wir Senioren der Wirtschaft nehmen bei einer möglichen Firmenübernahmen eine besondere Rolle ein; denn wir treten in der Anfangsphase mit unserem Namen und dem Logo der Senioren der Wirtschaft als Vertreter des Firmeninhabers auf. Damit sorgen wir dafür, dass die Anonymität der Firmenübergabe gewährt wird. Es wird sichergestellt, dass Kunden und Lieferanten nicht vorzeitig von einer möglichen Firmenübernahme und den damit verbundenen Unsicherheiten erfahren“, schildert Rainer Dieringer das Vorgehen.

Im Oktober 2020 meldete sich Claus-Jürgen Köhler, ein gelernter Industriemeister Metall, der als stellvertretender Betriebseiter in einem Stahlgroßhandel arbeitete. Der Wunsch des Veräußerers, das Unternehmen im Interesse seiner Kunden weiterzuführen und den Käufer bei der Übergabe des Unternehmens tatkräftig zu unterstützen, sprachen den möglichen Firmenübernehmer besonders an. Über einen längeren Zeitraum arbeitete er in seiner Freizeit in der Schleiferei mit und prüfte, ob ihm diese Arbeit gefällt und Spaß macht. In der zweiten Hälfte 2022 hat sich Herr Köhler endgültig entschieden, die Schleiferei zu übernehmen und weiterzuführen. Gemeinsam mit Wirtschaftssenior Dieringer wurden die Übernahmemodalitäten festgelegt und der Übernahmevertrag vorbereitet.

Seit April 2023 führt Claus-Jürgen Köhler die Präzisionsschleiferei unter dem Namen ZPS Schleiftechnik als alleiniger Inhaber. Johann Zauner steht mit seinem Fachwissen und seiner Erfahrung bei Bedarf weiterhin zur Verfügung und kann sein Lebenswerk weiter begleiten. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten! „Die Zusammenarbeit mit den Senioren der Wirtschaft war für mich sehr hilfreich, denn die gesamte Suche nach einem Nachfolger lief über Herrn Dieringer als Berater der Wirtschaftssenioren. Dadurch blieb die angedachte Firmenübergabe von meinen Kunden unbemerkt und hat die Geschäftsabläufe nicht behindert. Erst als ich mit Herrn Köhler einig war, habe ich die Übernahme an meine Kunden kommuniziert und Herrn Köhler vorgestellt. Dies hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Geschäfte so weiterlaufen wie bisher und das Vertrauen in das Unternehmen bestehen bleibt“, fasst der ehemalige Betriebsinhaber Johann Zauner rückblickend zusammen.



Die Teeinsel in Mannheim und Schwetzingen

Mut hat Roberta Biasuz Fagherazzi, die studierte Betriebswirtschaftlerin und Tee-Sommelière, bewiesen! Mitten in der Corona-Pandemie hat sie im Sommer 2021 den Weg in die Selbständigkeit gewagt und einen etablierten Teeladen in Mannheim übernommen. Fündig wurde sie in der Nachfolgebörse nexxt-change. Für die praktische Umsetzung hat der Nachfolgemoderator der IHK Rhein-Neckar Christian Schwöbel, die Existenzgründerin an die Senioren der Wirtschaft überwiesen. Betreut wurde sie von Reinhard Rohr, der seit 2011 Berater bei den Wirtschaftssenioren ist und das Regionalteam Rhein-Neckar leitet. „Ein wirklich guter Tipp“, ist Biasuz Fagherazzi überzeugt: „Herr Rohr hat mich bei allen Fragen rund um die Nachfolge, wie z.B. Businessplanerstellung und Finanzierungsfragen umfassend unterstützt.“

Die Unternehmerin hat zwischenzeitlich nachgelegt und zum Jahresbeginn 2023 einen weiteren Teeladen in Schwetzingen übernommen. Die Vorbesitzerin wolle ihr Geschäft altersbedingt abgeben, diese Wachstumschance ließ sich die Unternehmerin und Mutter Biasuz Fagherazzi nicht entgehen. „Häufig kommen Gründungsinteressierte zu uns in die Beratung und haben nicht auf dem Radar, dass die Übernahme eines bestehenden, intakten Unternehmens eine interessante Alternative zur Gründung von der Pike auf sein kann“, schildert Wirtschaftssenior Rohr! „Es freut mich sehr, dass die Unternehmerin sich das Sprichwort abwarten und Tee trinken, nicht zu eigen gemacht hat und gleich zwei Unternehmen erfolgreich übernommen hat.“


Mehr zur Teeinsel: www.teeinsel.com


Expertentipp: Fördermittel u. möglichkeiten für Existenzgründende u. Start-ups

Expertentipp: Fördermittel u. -möglichkeiten für Existenzgründende u. Start-ups

Thomas Römer ist seit 2015 Mitglied und Berater bei den Senioren der Wirtschaft und ist einer unserer Know-how-Träger, wenn es um Fördermittel und -möglichkeiten für Existenzgründerinnen und Existenzgründer, Start-ups und bestehende Unternehmen geht. Beruflich war er 40 Jahre im Unternehmensgeschäft einer großen Regionalbank tätig und hat dort in unterschiedlichen Funktionen Erfahrungen in allen Facetten des gewerblichen Kreditgeschäftes gesammelt.

Herr Römer, wie ist es denn um die öffentlichen Fördermöglichkeiten und -landschaft für Existenzgründende und Start-ups in Baden-Württemberg bestellt?

Die öffentliche Förderung von Gründenden, Start-ups und KMU ist ein sehr breites Feld.
Für nahezu jede Unternehmensgründung und -erweiterung kann man öffentliche Finanzierungshilfen in Anspruch nehmen. Man muss nur das passende Programm finden.

Europaweit gibt es angeblich über 1.500 unterschiedliche Förderprogramme. Eine echte Überraschung, wenn man sich bewusst macht, dass in der EU grundsätzlich alle staat­lichen Beihilfen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen verboten sind und daher einzeln im Rahmen eines „Notifizierungsverfahrens“ genehmigt werden müssen.

Nicht genehmigungspflichtig sind nur „de minimis-Beihilfen“ von max. T€ 200 innerhalb 3 Jahren².

Das Programm „Startfinanzierung 80“ der L-Bank ist stückzahlmäßig der unangefochtene „Kassenschlager“ für die Finanzierung von Gründungen in Baden-Württemberg.

Welche Arten von öffentlichen Förderungen gibt es für Existenzgründende und Start-ups in Baden-Württemberg?

Die öffentliche Förderung von Unternehmen verfolgt naturgemäß immer auch politische Ziele. Die Gründung von Unternehmen ist eine eigene, jedoch sehr allgemeine Kategorie bei den Fördermitteln. Hinzukommen können noch ergänzende Merkmale, wie z. B. Hightech, Digitalisierung, universitärer Hintergrund, dann eröffnen sich andere bzw. zusätzliche Möglichkeiten.

Generell können zwei Arten der Förderung unterschieden werden.

  • Zum einen Zuschüsse – das sind Fördermittel, die nicht zurückbezahlt werden müssen (verlorene Zuschüsse),
  • und zum anderen Darlehen, die verzinst und zurückbezahlt werden müssen. Die Förderung erfolgt hier über die Risikoübernahme und/oder günstige Zinssätze.

Können auch bereits existierende Unternehmen Fördermittel in Anspruch nehmen?

Auf jeden Fall! Für die Erweiterung, Modernisierung, Umstrukturierung, Verlagerung etc. können bestehende Unternehmen ebenfalls öffentliche Finanzierungshilfen in Anspruch nehmen.

Wie sieht der „Weg“ aus, um Fördermittel generell zu beantragen? Kann das der Interessent direkt tun oder braucht er hierfür einen „offiziellen“ Partner?

Es gibt keinen einheitlichen Weg! Das macht es auch so unübersichtlich, Fördermittel zu beantragen.
Für öffentlich geförderte Darlehen gilt nahezu ausschließlich das Hausbankprinzip. Das heißt, dass die Anträge über die Hausbank gestellt werden müssen. Diese müssen im Regelfall auch einen Teil des Kreditrisikos übernehmen. Förderkreditinstitute sind regional in Baden-Württemberg die L-Bank in Karlsruhe und auf nationaler Ebene die Kreditanstalt für Wiederaufbau in Frankfurt (KfW). Zum Teil werden von beiden Instituten vergleichbare Förderinstrumente angeboten.

Wann ist der geeignete Zeitpunkt, um sich mit Fördermöglichkeiten zu beschäftigen?

Basis für eine Unternehmensgründung sollte immer ein Business- und Finanzplan sein. Aus dem Finanzplan ergibt sich der Finanzierungsbedarf. Ist dieser definiert, stellt sich die Frage, wie er gedeckt werden kann und hier können dann z.B. öffentliche Fördermittel ins Spiel kommen.

Gibt es nur den einen Zeitpunkt oder -raum, um Fördermöglichkeiten in Anspruch zu beantragen?

Auch hier gibt es programmspezifische Regelungen. Generell gilt, dass der Antrag für das jeweilige zu fördernde „Projekt“ gestellt werden muss, bevor finanzielle Verpflichtungen eingegangen werden. So ist z. B. die Gründung einer Gesellschaft nicht förderungsschädlich, wohl aber der Abschluss eines Mietvertrages für Geschäftsräume oder auch die Bestellung / der Erwerb von Maschinen und Werkzeugen.

Gibt es auch bei der Übernahme eines bIst die Zusage von Fördermitteln auch an die finanzielle Ausgangssituation der UnternehmerInnen geknüpft?

Wie sagt der Jurist üblicherweise: „Es kommt darauf an!“ Im Bereich der verlorenen Zuschüsse tendenziell eher nein, bei den rückzahlbaren Kredite eher ja.

Wie ist Ihre persönliche Erfahrung, was kann man als Antragstellender im Vorfeld tun, um die Chancen für eine Zusage zu erhöhen?

Die Einstiegshürden bei den einzelnen Programmen sind unterschiedlich hoch. Manchmal muss nur ein Formular ausgefüllt werden, dann gibt es Programme, bei denen Dokumentationen erforderlich sind, die ganze Aktenordner füllen.

Wichtig sind aussagefähige und plausible Business- und Finanzpläne. Diese sollten die Existenzgründenden in erster Linie für sich selbst erstellen. Dadurch bekommen sie das Gefühl, mein/unser Businessplan ist wirtschaftlich tragfähig und meine/ unsere Finanzen sind gut gemanagt. Damit können dann in aller Regel auch Dritte überzeugt werden.

Können Existenzgründende und Unternehmen ggf. auch mehrmals Fördermittel beantragen bzw. können ggf. auch unterschiedliche Fördermittel kombiniert werden?

Fördermittel sind in aller Regel kombinierbar. Wichtig ist, dass die „de minimis-Beihilfe“-Obergrenze von T€ 200 in drei Jahren (siehe oben) nicht überschritten wird.

Was empfehlen Sie Existenzgründenden, Start-ups und UnternehmerInnen, die klären möchten, ob sie für ihre unternehmerischen Vorhaben Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen können?

Nachfolgende Internetportale geben eine erste Orientierung

Im Anschluss empfiehlt es sich, eine individuelle Beratung, z.B. bei der Hausbank oder den Wirtschaftssenioren in Anspruch zu nehmen.

² Jeder Förderung wird ein individueller Subventionswert beigemessen. Die Summe der Förderungen darf in einem Zeitraum von 3 Jahren T€ 200 nicht überschreiten. Gegebenenfalls muss abgewartet werden, bis eine geförderte Maßnahme aus dem Betrachtungszeitraum herausfällt.